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PFT-Umweltskandal

Rüthen, 24.11.06

Die BG–Erwitte war in der vom BUND durchgeführten Podiumsdiskussion über den PFT-Umweltskandal im Kreis Soest am 24.11.06 in Rüthen durch die beiden Vorstandsmitglieder Lothar Strauch und Karl Dietz vertreten. Auch zahlreiche  Mitglieder der BG–Rüthen und der anderen Ratsfraktionen aus Rüthen waren erschienen. Zu den Gästen zählte u.a. der Leiter des Lörmecke Wasserwerkes, Herr Hasse.

Die BUND-Experten Ingo Gödeke (Chemiker und Tensid-Fachmann), Prof.Dr. Heinrich Münz (Biologe und BUND-Kreisvorsitzender, Lippstadt) und Paul Kröfgens (Chemotechniker und Spezialist im Bereich Wasseranalytik) informierten die Zuhörer über die Wirkungs-Zusammenhänge der Stoffgruppe PFT (Perfluorierte Tenside).

Es handelt sich hier um 2 Stoffunterklassen, die PFOS (Perfluoroktansäure) und die PFOA (Perfuoroktansufonsäure) mit jeweils unterschiedlicher Wasserlöslichkeit.
"Das Wissen um diese Stoffe steht erst am Anfang“, erklärte Paul Kröfges, stellvertretender NRW-Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion. 750 Flächen, auf denen das mit PFT verunreinigte Bioabfallgemisch der Firma GW Umwelt aufgebracht wurde, sind bekannt. 30 von ihnen gelten  als Flächen mit besonders hoher Konzentration „bei extrem hoher Dunkelziffer“, wie Kröfges betonte. Man könne sich daher an fünf Fingern abzählen, dass in der anstehenden Regenphase aufgrund der unterschiedlichen Wasserlöslichkeit der Stoffe  wieder mehr PFT nachströmen werde. Er wiederholte seine kürzlich erhobenen Vorwürfe gegen die Soester Kreisverwaltung, wonach es unverantwortlich gewesen sei, die Proben nur nach der Bioabfallverordnung und nicht mindestens nach der Klärschlammverordnung mit entsprechend mehr Untersuchungsparametern zu untersuchen. Es wäre dann zwar nicht unbedingt auf PFT untersucht worden, weil PFT nicht im Untersuchungsraster sei, aber die Proben wären mit Sicherheit als bedenklich aufgefallen. Ein grundsätzliches Problem ist bei jeder Analyse, dass man nur das finden kann, was man auch untersucht. Die Bioabfallverordnung prüft nur einige wenige Schwermetallkonzentrationen.

Claudia Baitinger, Sprecherin des Arbeitskreises Abfall, berichtete von Recherchen, die sie gemeinsam mit Vita Nolte, Vorsitzende der BUND-Ortsgruppe, betrieben habe: Nach ihren Informationen sei eine Werkhalle im Rüthener Industriegebiet Heidberg für die Lagerung oder gar Mischung der giftigen Abfälle genutzt worden. Diese Halle wurde vor Jahren vom Geschäftsführer der Firma GW Umwelt angemietet, um hier ein bislang noch nicht verwirklichtes Holzenergiezentrum zu errichten. Sie präsentierte ein Foto, das eine mobile Boden-Mischanlage in Heidberg zeigen soll.

Die Polizei habe die in der Nähe wohnenden Asylbewerber befragt, die von regem Lkw-Verkehr berichtet haben sollen. „Offiziell weiß der Kreis von nichts“, so Baitinger. Die ganze Sache sei „mysteriös“. Auch liege ihr ein Lieferschein vor, aus dem hervorgehe, welche Abfälle GW Umwelt erhalten habe. „Die haben genau gewusst, was sie bekommen“, meinte BUND-Abfall-Experte Ingo Gödeke. Umfassend wurden die Teilnehmer über das chemische Verhalten der umstrittenen Substanz informiert. Prof. Heinrich Münz aus Lippstadt und BUND-Kreisvorsitzender, berichtete von der langen Dauer, die PFT im Körper verbleibt. Die Halbwertszeit liege bei bis zu 13 Jahren.

Wir brauchen staatlichen Umweltschutz“, erklärte der BUND-Landesvorsitzende Klaus Brunsmeier. „Privat vor Staat“ funktioniere nicht, wenn beispielsweise die Firma GW Umwelt Zertifikate für ihre eigenen Abfallgemische erstellen dürfe. Er beklagte, dass in NRW die staatlichen Umweltämter abgeschafft würden, zudem habe das Land die Umweltinformationsrichtlinie nicht umgesetzt. Er appellierte an die Anwesenden, auf allen Ebenen von ihrem Informationsrecht Gebrauch zu machen.

Nun setze man auf die Ergebnisse des vom BUND geforderten Untersuchungsausschusses im Landtag, sagte Kröfges. Er hoffe nach der Reinigung der belasteten Flächen durch Sanierungsmaßnahmen und Niederschläge auf ein, wenn auch fernes, Ende der PFT-Problematik, „aber das werden wir nicht mehr erleben“.
Herr Hasse, der Betriebsleiter des Lörmeckewasserwerkes informierte die Zuhörer, dass PFT im Lörmecke-Wasser unter der Nachweisgrenze liege. Der BG-Vorsitzende Lothar Strauch betonte, dass dies für Erwitte insgesamt eine gute Nachricht sei, aber das Wasserwerk Eikeloh sei leider vom PFT-Skandal betroffen.
Quelle : Eigene Mitschrift und Patriot vom 27.11.06

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