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Offene Ganztagsschule

Offener Breif zur offenen Ganztagsschule

Bürgergemeinschaft Erwitte, Vorsitzender Lothar Strauch               9.12.2004


Sehr geehrte Frau Marbeck,

Unser „Streitgespräch“ auf dem Gang, kurz vor der Sitzung des Hauptausschusses am Dienstag, veranlasst mich, mögliche Missverständnisse in der Kommunikation zwischen der Bürgergemeinschaft und der Verwaltung auszuräumen.
Zuallererst stelle ich fest, dass wir als BG Ihre Arbeit und die Arbeit Ihrer Mitarbeiter in der Verwaltung würdigen und wertschätzen. Wir haben auch in der Vergangenheit nicht abgestritten, dass Sie und Ihre Mitarbeitern engagiert gearbeitet haben.
Als  im Mai 2004 der Patriot den Standpunkt der BG zum Thema „Offene Ganztagsschule“ veröffentlichte, wurde ich mit den Worten zitiert :“...Dann kann man also davon ausgehen, dass die Verwaltung alles tun wird, um einen potenziellen Bedarf nicht zu erheben. Hier werde kräftig gemauert, vermutet er ...“  In dem besagten Artikel hatte ich an einigen Beispielen und Zitaten aufgezeigt, dass offenbar seitens der Verwaltung und der sie bestimmenden Politik kein Interesse an einer umfassenden Information der Bürger besteht. Aus meinen gesammelten Zitaten möchte ich an dieser Stelle exemplarisch  zwei Ihrer Aussagen in Erinnerung rufen, die mir diese Haltung aufzeigen:
In einer Ratssitzung im Mai antworteten Sie auf meine Anfrage: „... Eine Abfrage bei den Eltern weckt nur Begehrlichkeiten, die wir nicht erfüllen können.“  In der Mitteilungsvorlage zur Schul- und Sozialausschusssitzung am 18.11.04 heißt es : „In Horn ist die Bedarfsabfrage schriftlich erfolgt und hat wider Erwarten hohes Interesse ... ergeben.“

Die Diskussion um das Thema „offene Ganztagsschule“ hat als bildungspolitisches Thema eine politische Dimension, die manchmal „weltanschauliche“ Bedeutung zu erreichen scheint. Geprägt von gegenseitigen Vorurteilen wittern  die Einen den Einstieg in die „Einheitsschule = Gesamtschule“ und die Anderen machen Reformen um der Reformen willen und nehmen mögliche Fehlentwicklungen nicht zur Kenntnis.
Dies liegt sicherlich an dem für meine Begriffe verfehlten bildungspolitischen Streit der letzten 4 Jahrzehnte in diesem Land.
Auch wenn wir dieses Thema wie Andere im Wahlkampf aufgegriffen haben, wollen wir als BG diese (weltanschauliche) Ebene der Auseinandersetzung nicht. Die BG- Erwitte ist nicht ideologisch auf die „flächendeckende Einführung der offenen Ganztagsschule“ festgelegt.
Pragmatisch betrachtet, ist die Einrichtung einer offenen Ganztagsschule mit zunächst ein oder zwei Gruppen unter bestimmten Voraussetzungen aber eine Chance.

Die beiden Pisa- Studien und die gesellschaftliche Entwicklung der nächsten Jahre zeigen ganz deutlich einen wachsenden Bedarf für die Ganztagsbetreuung, wobei eine Betreuung nicht nur „Verwahrung“ bedeuten kann, sondern Förderung (nicht Nachhilfe!) mit einschließt. Das Land NRW hat bekanntlich finanzielle Mittel bereit gestellt und einige Nachbarkommunen haben bereits reagiert.

Anfang des nächsten Jahres wird es wieder einen Ausschlusstermin geben, um eine Gruppe einzurichten. Bis dahin sollte u.E. eine faire Meinungsbildung seitens der Eltern erfolgen. Dies kann aber nur geschehen, wenn die Eltern in Erwitte umfassend, überparteilich und unabhängig informiert sind. Dies könnte z.B. durch eine baldige Infoveranstaltung geschehen, die nicht durch Wahlkampf –wie im letzten Jahr- geprägt ist. Dann erst kann der Bedarf festgestellt werden. Wenn der Bedarf klar ist, sollten sich die Kollegien beraten, ob sie an ihrer jeweiligen Schule  eine Gruppe einrichten und die Stadt bestimmt dann auf der Grundlage der finanziellen Situation, wieviel Geld zur Verfügung steht und wie viele Gruppen eingerichtet werden können.

Diese Reihenfolge scheint uns deswegen richtig, weil sowohl die Politik als auch die  Lehrer den Bürgern gegenüber eine dienende Funktion haben. Falls sich kein Kollegium im Falle eines Bedarfes bereit erklärt, müssten die Lehrer dies ihren Eltern erklären. Falls ein Bedarf nicht besteht , braucht man vorerst auch keine Einrichtung.

Wenn man mit einer oder maximal zwei Gruppen anfängt, könnte man, abgesehen von der finanziellen Förderung durch das Land ,auch wichtige (pädagogische) Erfahrungen sammeln, die dann nach 2007 einen Vorsprung bedeuteten. Falls sich Fehlentwicklungen zeigen, korrigiert man diese oder steigt im schlimmsten Fall wieder aus dem Projekt aus (wenn das geht).
Der Bürgergemeinschaft liegt am Herzen, dass man diese Fragen pragmatisch und nicht irgendwie ideologisch diskutiert. In diesem Zusammenhang stelle ich auch klar, dass die BG, als kleinste Fraktion, sich nicht anmaßt, hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen ,um diese Debatte politisch anzuheizen und auszuschlachten . Es wäre schön und im Sinne der Bürger- vor allem der betroffenen Kinder-, wenn dies auch keine der anderen Parteien täte. Deshalb werden wir in den nächsten Wochen auch auf Zeitungsartikel zu diesem Thema verzichten.

Wir erwarten allerdings, dass es einen wahrnehmbaren Fortschritt in der Meinungsbildung gibt. Vielleicht ist es Ihnen auch möglich uns über die Entwicklung in Horn auf dem Laufenden zu halten.

Ich hoffe, dass bei allem politischen Streit unsere Kommunikation zukünftig  von gegenseitigem Respekt  geprägt ist und verbleibe

Mit freundlichen Grüssen und guten Wünschen für die kommenden Feiertage

Lothar Strauch 

Homepage der BG Erwitte